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!!! Achtung, dies ist schon die Leseprobe der 2.Auflage von "Der Fluch der Black Rose" und noch nicht im Handel erhältlich!!!

Der Fluch der Black Rose

              Kapitel 1 Piraten Ahoi                                               Loredana Schmitz war mit ihrer Mutter auf dem Weg in das kleine Dorf Old Thunder Bay, dass sich auf der Insel Paradise-Island befand. Ihr Vater war Ingenieur, der nach längerer Arbeitslosigkeit endlich wieder einen neuen Job gefunden hatte. Allerdings bedeutete dies für Familie Schmitz, Deutschland verlassen zu müssen. Es passte Loredana überhaupt nicht, ihre vertraute Heimat und ihre Freunde zurückzulassen, um auf eine unbekannte Insel zu ziehen, weit weg von ihrem Zuhause. Nun, sie war erst 17, zu jung, um allein zurückzubleiben.
Paradise-Island lag im Nordpazifischen Ozean vor der Kanadischen Küste, in der Provinz British Columbia. Die Anreise war eine Tortur, ein zehnstündiger Flug von Köln nach Los Angeles, USA, wo sie eine Stunde Aufenthalt hatten, um dann den Anschlussflug nach Vancouver zu nehmen. Vom Flughafen aus ging es dann weiter mit dem Taxi zur Horseshoe Bay. Das letzte Stück mussten Sie mit einer Fähre zurücklegen. Diese nicht enden wollende Reise hatte schon ihre Spuren hinterlassen. Lory, wie sie von allen genannt wurde, saß nun müde vorne auf der Fähre „Queen of Capliano“, welche sie und ihre Mutter von der Horseshoe Bay auf die 20 Minuten entfernte kleine Insel brachte. Klein war der richtige Ausdruck, denn sie hatte nur eine Fläche von gerade mal 49, 94 km², die sich auf zwölf Kilometer Länge und sechs Kilometer Breite erstreckte. Von den Briefen, die ihr Vater geschickt hatte, wusste sie, dass es ein, wie hatte er sich ausgedrückt, „idyllisches Plätzchen“ sein sollte, eine hügelige Waldlandschaft mit Villen und diversen Farmen, auf denen die Einheimischen ihre eigenen Lebensmittel ökologisch anbauten, und drei Seen, Killary Lake, Grafton Lake und das kleinste  Josephine Lake. Auf der ganzen Insel gab es nur eine Tankstelle, einen Geldautomaten und einen Lebensmittelmarkt. ‚Einsames und verlassen Plätzchen, hätte wohl eher gepasst’, überlegte Lory.

Der blonde Steuermann mit seinem rot-blauen Holzfällerhemd und den abgewetzten Jeans guckte grimmig drein und gab nur sehr kurz angebundene Antworten, wenn man sich traute, ihn irgendetwas zu fragen. Er war wohl nicht so gut gelaunt und schien die Insel nicht sonderlich zu mögen. Lory war in Erinnerungen versunken an die gute alte Zeit daheim. Die Sonne strahlte herrlich warm und der Meereswind blies ihr die kühle salzige Luft ins Gesicht. Die Fähre wankte sachte mit den Wellen hin und her, als würden sie einen Blues miteinander tanzen. Sie konnte schon das kleine Villenstädtchen erkennen, umgeben von großen Wäldern, an dem sie anlegen würden - Snug Cove, hieß das Städtchen. Dort hatten sich neben den alteingesessenen Familien, im laufe der letzen Jahren ein paar finanziellbetuchten Bürger von Vancouver nieder gelassen. Die Einwohnerzahl der gesamten Insel belief sich nun um knappe 2000, diese lebten ganzjährig auf der Insel, davon fuhren mit der Fähre täglich ca. 600 zur Arbeit und ca. 200 zur Schule auf das Festland. Ihre Mutter Katharina  war begeistert vom Umzug. Für sie war es das
Abenteuer ihres Lebens und mit ihren 42 Jahren sah sie immer noch wie Mitte 30 aus. Als Malerin fand sie hier viele neue Motive, die sie zu Papier bringen konnte. Vor ihrer Zeit als Hausfrau, hatte Katharina eine Ausbildung als Näherin gemacht. Sie hatte bei einer Firma gearbeitet die Reitsportkleidung hergestellten. Diese Firma hatte es sich zur Aufgabe gemacht qualitative hochwertige Bekleidung mit viel Handarbeit herzustellen. Als Katharina schwanger wurde, hing sie ihren Beruf an den Nagel, um ganz für ihre kleine Familie da zu sein. Bereut hatte sie es nie. Doch nun, da ihre Tochter schon alt genug war, konnte sie sich immer mehr ihrer Leidenschaft der Malerei widmen. Lory konnte und wollte den Umzug nicht so einfach akzeptieren, obwohl es eigentlich schon zu spät dafür war. Sie machte einen letzten Versuch, ihrem Unmut darüber Luft zu machen.
„Mam, müssen wir denn wirklich länger dort bleiben?“, fragte sie traurig.
„Loredana Schmitz, fang doch bitte nicht schon wieder damit an. Wir haben das schon so oft besprochen. Das ist jetzt unser neues Zuhause und du wirst dich daran gewöhnen müssen, junge Dame“, erwiderte Katharina genervt. Genervt war sie meistens, egal worüber man mit ihr reden wollte. Sie blockte alles ab.
„Besprochen ist wohl das falsche Wort, du und Papa habt es einfach so beschlossen. Ihr habt mich ja noch nicht einmal gefragt, sondern mir einfach nur mitgeteilt, dass wir umziehen werden“, entgegnete Lory wütend. Sie konnte zwar an der Tatsache nichts mehr ändern, doch war sie immer noch wütend darüber.
„Loredana, ich habe wirklich keine Lust mehr, immer und immer wieder mit dir darüber zu diskutieren! Papas neuer Arbeitsplatz ist die einzige Chance, die er noch hat, gut bezahlte Arbeit zu finden. Also bitte hör auf, dich zu beschweren, die Würfel sind gefallen. Nimm doch endlich mal Rücksicht!“ Dieser Umzug brachte nichts als Streit zwischen Lory und ihren Eltern, er ging so weit, dass Lory keine Lust mehr hatte, mit ihrer Mutter überhaupt noch ein Wort zu reden.  
Ist denn Geld so wichtig, dass man freiwillig sein Heim verlässt und in die Fremde geht?, dachte sie. Mussten sie denn wirklich so weit weg gehen? Lorys Blick streifte den Steuermann, dessen Gesichtsausdruck noch unfreundlicher wirkte. Je näher sie der Insel kamen, um so unruhiger wurde Lory. Als die Fähre anlegte, stand ihr Vater schon da, braungebrannt lehnte er an einem alten Ford Escort, dessen blaue Farbe unter der dicken Staubschicht nur zu erahnen war.

Nun arbeitete Herr Schmitz bei der Firma Joe Stanley B.G. Bau- und Restaurationsgesellschaft, sesshaft in Artisan Sqare auf Paradise-Island , die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, dass alte Dörfchen Old Thunder Bay zu neuem Leben zu erwecken. Durch Modernisierungs- und Reparaturarbeiten mussten die Gebäude wieder bewohnbar gemacht werden, dabei sollte der alte Charme des Piratendorfes erhalten bleiben,  um als eine Art Piratenmuseumsdorf Touristen zugänglich gemacht zu werden. Denn Joe Stanley, selbst abstammend von Piraten, war stolz auf die Piraten - Vergangenheit seiner Insel. Er wollte den Menschen zeigen, wie das Leben damals in Old Thunder Bay war. Doch Lory verstand nicht, das es nicht nur das Geld war, was ihren Vater zur Auswanderung bewogen hatte. Er hatte viele Gründe und einer davon war diese Arbeit an dem Piratendorf, die ihn faszinierte. Es war für ihn ein Glücksfall. Wer hatte denn schon die Gelegenheit an einem solchen Projekt mitzuarbeiten?

Wilhelm Schmitz war schon ein paar Monate vorher hierher gekommen, um Reparaturen an ihrem neuen Haus zu verrichten. Das Haus hieß Rose House, es war ein Schnäppchen, mindestens 100 Jahre alt und lange Zeit unbewohnt gewesen. Da musste nun noch einiges repariert werden, fertig war ihr Vater damit noch lange nicht. - Er winkte ihnen fröhlich zu. Nach der kurzen Begrüßung verstauten sie ihr Gepäck in den Wagen, stiegen ein und fuhren los. Das kleine Städtchen mit seinen ungefähr zwei Dutzend Villen sah ganz nett aus, sauber und ruhig. Eine gut befestigte Straße führte stadtauswärts. Abgegrenzt durch einen dichten Wald, durch den keine Straße, sondern nur ein Waldweg führte. Als sie den Wald durchquert hatten, veränderte sich die Gegend schlagartig. Das Ortsschild am Eingang des Dorfes hatte schon bessere Tage gesehen. Das Holz war verwittert und die Aufschrift von der Sonne derart ausgebleicht, dass man sie kaum noch entziffern konnte. Sie kamen durch eine anscheinend verlassene Gegend. Das Dorf sah düster und heruntergekommen aus. Es erinnerte Lory an eine verlassene Geisterstadt aus einem Gruselfilm. Sie erschauderte bei dem Gedanken, dort leben zu müssen. Ihr Weg führte sie durch die engen Gassen, über die holprigen Pflastersteinstraßen,
die von uralten Häusern eingerahmt wurden. Aufgrund der Straßenverhältnisse konnten sie gerade mal Schrittgeschwindigkeit fahren. Lory fühlte sich beobachtet. Sie betrachtete die Häuser, an denen sie langsam vorbeifuhren. Die Farben waren abgeblättert, viele Fensterscheiben waren kaputt und manche nur notdürftig mit Brettern vernagelt. Türen hingen schief in den Angeln. Keine Menschenseele war zu sehen, und doch hatte Lory dieses seltsame Gefühl im Magen ...
Nur das Geräusch des Automotors und das der Reifen war zu hören. Das Dorf wirkte wie schon vor langer Zeit ausgestorben. Lory fragte sich, ob hier überhaupt noch Menschen lebten oder ob ihre Familie wohl die einzigen Menschen hier waren. Ihr lief ein kalter Schauer über den Rücken. Ich habe eine blühende Phantasie, dachte sie. Vielleicht sollte ich nicht mehr
so viele Horrorfilme gucken. „Das hier ist unser neues zu Hause, Old Thunder Bay, schau es dir an! Die ersten Siedler aus Vancouver kamen erst 1871 auf die bis dahin fast unbewohnte Insel, vorher wurde sie nur von Piraten als Rückzugsort benutzt. Es gibt noch zwei weitere Städte hier. An der Küste Snug Cove, wo ihr angekommen seit und Artisan Sqare in der Inselmitte“, erklärte er. Lory muckste sich nicht. Was sollte sie auch dazu noch sagen? Ein altes einsames Dorf sollte nun ihr neues Zuhause sein. Was wünscht man sich mehr?
„Hast du gehört? Vor über hundert Jahren war dies ein Piratendorf! Ist das nicht toll?“, schwärmte ihr Vater. „Bis ein neuer Kommodore auf Paradiese-Island eingesetzt wurde, herrschte hier ein buntes Treiben, viele Piraten gingen vor Anker, um sich mit Proviant zu versorgen oder einfach nur ein Wirtshaus zu besuchen. Mit dem Kommodore veränderte sich dieses Dorf. So nach und nach verschwanden die meisten Piraten und die, die von den Piraten lebten.“ Lory ließ sich nicht von der Fröhlichkeit ihres Vaters anstecken. Sie nahm zwar alles auf, doch fand sie es nicht wirklich interessant und sagte daher

nichts, außer einem gelegentlichen ‘Aha’.

Am Ende des Dorfkerns stand ein kleines einsames Wirtshaus, an dem noch die

Werbetafel hing. Es hieß „The Hangman“, darauf war ein Gehängter zu sehen der

lächelte.

Na dann, fröhliches Hängen!, ging es Lory durch den Kopf. Obwohl der Gedanke ein kleines Lächeln auf ihr Gesicht zauberte, fühlte sie sich kein bisschen besser. Nachdem sie das Dorf hinter sich gelassen hatten, führte eine Art Feldweg bergauf. Die großen Felder, zur Rechten und Linken des Weges, wirkten richtig verwildert, man konnte ihnen ansehen, dass sie schon seit viele Jahrzehnten nicht mehr bestellt wurden.
„Hier haben sie Zuckerrohr angebaut, um Rum herzustellen“, durchbrach ihr Vater die Stille.
„Rum besteht allerdings nicht direkt aus Zuckerrohr, sondern aus Melasse, einem Abfallprodukt, dass bei der Zuckergewinnung übrig bleibt. Melasse ist dickflüssig, süß und mit ihrem konzentrierten Zuckerrohrgeschmack optimal für die Rumherstellung. Mit Hefe und Wasser verdünnt, gibt man dann Skimming – ein Schaum, der sich bei der Zuckerherstellung bildet - und Dunder – ein alkoholfreier Rückstand aus einem früheren Brennvorgang - dazu. Die sind wichtig für den Rumgeschmack. Alles zusammen ergibt die Maische, die zum Gären in einem Holzbottich gefüllt wird. Nach 10 Tagen erst wird die Maische destilliert, gebrannt und in ausgebrannten Eichenfässern für mehrere Jahre gelagert, wenn man schweren Rum möchte. Das Holz der Fässer gibt dem Rum zum Teil die dunkle Farbe und den typischen Holzgeschmack.“
„Papa, wo hast du das denn her?“, fragte Lory, die ihren Vater kaum wiedererkannte, so fröhlich und ausgelassen quasselnd hatte sie ihn schon lange nicht mehr erlebt.
„Der Makler hat mir vieles über das Dorf und seine Bewohner erzählt. Auch über Rose House, es wurde vor 113 Jahren von einem jungen Piraten erbaut. Vielleicht sollte ich selber mal versuchen, Rum zu brennen ... „
Oh je, das Piratenfieber hat ihn gepackt. Unwillkürlich ging ihr das Piratenlied durch den Kopf: Dreizehn Mann auf der Totenkiste. Jouhouhou und `ne Buddel voll Rum. Sie liebten das Meer, den Schnaps und das Gold. Jouhouhou, und `ne Buddel voll Rum. Bis einst alle dreizehn der Teufel geholt ... Die Felder wurden von einem riesigen und dichten Wald abgelöst. Er wirkte bedrohlich und dunkel. Kein Lichtschein fiel durch die Bäume. Ihr Vater hatte die Scheinwerfer eingeschaltet, um überhaupt noch etwas sehen zu können. Der Weg führte in engen Kurven immer steiler bergauf. Seltsam, dass an einer so steilen Klippe überhaupt Bäume stehen konnten, und das ohne umzukippen.
Lory wusste, dass Rose House weit oben auf einer Klippe lag, wie ein Leuchtturm, der den Seefahrern heimleuchtete. Der Forst schien immer dunkler und dichter zu werden. Starr und undurchdringlich säumten die Bäume den engen Weg. Wie dürre Arme schienen die Äste der Bäume nach dem Auto greifen zu wollen. Manche von ihnen hingen so tief, dass sie den Ford geräuschvoll streiften. Dieses Kratzen erzeugte eine Gänsehaut bei Loredana, auch ihre Mutter schien zu erschaudern. Unweigerlich musste sie an einen Film denken, wo ein ähnlicher Wald vorkam, der von Werwölfen, Hexen und sonstigen Gruselgestalten nur so wimmelte. Auch hier könnte wohl jeder Zeit eine dieser zwielichtigen Wesen aus dem Wald gesprungen kommen.
Haben da hinten nicht grade ein paar Augen rot aufgeglüht? Oh Mann, diese Insel ist so gruselig. Und die heißt Paradise-Island? Insel des Grauens wäre wohl die bessere Bezeichnung. Ein perfekter Ort für einen Horrorfilm. ‘
Lory wurde jäh aus ihren Gedanken gerissen, denn es wurde plötzlich hell, die Sonne blendete grell. Herr Schmitz trat etwas fester auf die Bremse, um das Auto in Schrittgeschwindigkeit bis vor die Haustür rollen zu lassen. Die Passagiere wurden unsanft nach vorne geschleudert. Rose House, ihr neues Zuhause, ragte hoch empor auf der steil abfallenden Klippe, weit abgelegen von den übrigen Nachbarn, inmitten einer großen Lichtung. Rose House war wohl vor vielen Jahren weiß gewesen, doch nun war es grau und verwittert. Über dem großen zweitürigen Eingang lagen links und rechts je ein Fenster, die wie böse blickende Augen wirkten. Die Scheiben waren vom Dreck verdunkelt, so dass kein Licht von außen hineindringen konnte. Es sah wenig einladend aus, eher bedrohlich. Endlich hielt der Wagen vor dem Haus an. Immer wieder dachte Lory an die Horrorfilme, die sie mal gesehen hatte. Diesmal an die, in denen alte Häuser vorkamen. Besonders Hill House aus dem Film „Bis das Blut gefriert“.
Ein Haus in dem Es umging. Niemand wird da sein, in der Nacht, in der Dunkelheit. Niemand wird dich schreien hören, wenn du Hilfe brauchst, in der Nacht, in der Dunkelheit ... Hatte die Haushälterin, die natürlich betonte das sie nicht mehr da sein würde, wenn die Nacht hereinbrach, den ankommenden Gästen mit einem schelmischen Grinsen mitgeteilt. Na ja, eine Haushälterin hatten sie zwar nicht, doch das Haus hatte einen ähnlichen Effekt. Lory fühlte sich unbehaglich bei dem Gedanken, ins Innere dieses gruseligen Hauses gehen zu müssen. Dieses Haus, das so verächtlich guckte, hieß sie wohl nicht willkommen, sondern wollte sie eher vergraulen. Kein Wunder, dass es so billig gewesen war.Mit ihrem Gepäck in den Händen folgte sie schweren Herzens ihren Eltern die Stufen zur Haustüre hinauf. Sie fühlte sich wie ein Lamm, dass zur Schlachtbank geführt wird.
Was erwartet mich wohl drinnen? Spinnweben, Ratten oder vielleicht Schlimmeres?

Prinzessin Angelina und die Elbenmedizin - Band 1

Prinzessin Angelina war mit ihren gerade mal 20 Jahren etwas klein geraten. Ein bisschen zu pummelig vielleicht, aber ihr Gesicht war von strahlender Schönheit. Ihre pechschwarzen, vollen, leicht gewellten Haare, reichten ihr bis zu den rundlichen Hüften. Ein Maler hätte ein Gesicht nicht schöner malen können. Sie hatte magische, warme, dunkelgrüne Augen, in denen braune Sprenkel waren.                                                                                    Nun rannten Tränen aus ihnen. Angelina saß am Bett ihrer kranken Mutter. Sie weinte und war verzweifelt, ihre Mutter so krank im Bett liegend sehen zu müssen. Das Schlafgemach ihrer Mutter war abgedunkelt, da die Mutter sehr empfindlich auf Licht reagierte.

Der alte Magier Stonegran lief im Raum ständig auf und ab. Sein dunkelblaues Gewand mit quietschgelben Sternen wehte hinter ihm her. Über seinen langen weißen Bart stolperte immer wieder und murmelte dann kleine Verwünschungen vor sich hin. Wenn der Anlass nicht so traurig gewesen wäre, hätte Angelina über die Szene lachen müssen. Es sah zu komisch aus.                       „Ich weiß nicht mehr weiter, trotz meinen ganzen magischen und heilenden Künsten. Nun bin ich so alt geworden und doch am Ende meiner Weisheit angekommen. Angelina, ich kann deiner Mutter nicht helfen.“ murmelte Stonegran traurig vor sich hin.
                                                                                                                                       Der König betrat das Schlafgemach der Mutter. Traurig hörte Angelina zu, wie Stonegran mit ihrem Vater, König Manu, dem 313, sprach.                                                                       „Es gibt nur noch eine Möglichkeit die Königin zu retten. Sie ist sehr gefährlich und fast unerreichbar. Die Djanjaheemedizin ist das Einzigste was sie noch retten kann.“       „Stonegran, du weißt, ich habe schon viele Ritter ausgesandt um die Medizin zu holen, doch keiner ist je zurück gekehrt. Es gibt keine Freiwilligen mehr.“
                                                                                                                                   `Djanjahee, gibt es wirklich Djanjahee? Ich  dachte, dass es nur ein Märchen wäre, wie das Märchen von den Wurzelzwergen, dass mir meine Mutter immer erzählt hatte, als ich noch ein kleines Kind war,´ grübelte Angelina. Sie hörte angestrengt zu, um jedes Wort von Stonegran  verstehen zu können. Sie erfuhr, dass in Stonegrans Labor eine Karte lag, die den Weg zu dem Djanjaheeland wies, wenn man ein paar Rätsel richtig lösen konnte und die richtigen Wesen fragte. Der Weg führte durch den furchtbaren Gouulanwald, wo böse Gnome und Manruks ihr Unwesen trieben.

Manruks? Von Manruks habe ich noch nie gehört. Was um alles in der Welt sollte das denn nur sein? fragte sie sich. Immer wieder wurden ihre Gedanken von neuen Informationen unterbrochen.                                                                                                                        „Nun, dann bleibt mir nichts anderes mehr übrig als demjenigen die Hand meiner Tochter zu geben, der stark genug, schlau genug und rein genug ist um die Djanjaheemedizin zu beschaffen.“ sagte der König entschlossen. 

Bei den Worten des Vaters hörte sie ein Glas zerspringen. Die Milch verteilte sich am Eingang des Schlafgemachs. In der Tür stand Lance und schaute erschrocken drein. Lance, der liebe, gute alte Lance, Stallbursche auf Schloss Bonhaing. Lance und Angelina waren im gleichen Alter, sie waren zusammen aufgewachsen. Für Angelina war Lance der beste Freund den sie hatte. Der Schreck stand ihm immer noch im Gesicht, als er die Scherben und die Milch beseitigte, die er zuvor hatte fallen lassen.

 Wie konnte der Vater mir das denn nur antun? Irgendeinen Ritter heiraten? Eine erschreckende Vorstellung. Das kann ich doch nicht. mein Leben mit einem Menschen verbringen, den ich nicht liebe? Ich muss etwas unternehmen. Ich werde selbst zum Djanjaheeland reiten, dachte sie fieberhaft. Schnell überlegte sie sich einen Plan. Lance verschwand für kurze Zeit, als er wieder auftauchte, hatte er ein neues Glas Milch in der Hand. Er übergab es Angelina, legte ihr tröstend seine Hand auf die Schulter. Angelina flüsterte ihm zu, während Stonegran und ihr Vater sich weiter über Ritter und Hochzeit unterhielten.
                                                                                                                                  „Lance, ich werde gehen, ich werde die Medizin holen. Bitte sattle Firestorm, ich komme um Mitternacht in den Stall.“ Firestorm, ihr Friesenhengst, der schnell wie der Wind war. Sein schwarzes Fell glänzte in der Sonne. Wenn sie mit ihm unterwegs war hatte, sie das Gefühl dass ihr nichts böses passieren konnte. Firestorm würde sie beschützen. Lance nickte nur, dann verabschiedete er sich und ging davon.

Angelina hielt die Hand ihrer Mutter und sagte leise:                                                            „Ich werde nicht eher wiederkommen, bis ich die Medizin habe, das verspreche ich dir. Bitte halte durch, ich werde mich beeilen. Vater darf es nicht erfahren. Du weißt, dass er es nie zulassen würde.“ Die Mutter schaute Angelina traurig an und nickte langsam.                       „Pass auf dich auf.“ flüsterte sie kraftlos. Angelina drückte noch einmal ihre Hand zum Abschied und ging in ihr Gemach, wo sie auf den Abend wartete.
                                                                                                                                    Angestrengt überlegten sie, wie sie Stonegran überlisten konnte, um an die Karte und ein paar Informationen zu kommen. Der alte Zauberer war so um die 80 Jahre alt, hatte viel von der Welt gesehen und war schlau wie ein Fuchs. Was könnte ich ihm nur erzählen, dass er auch glauben würde? Sollte ich einfach so tun, als wäre ich neugierig, was denn mein zukünftiger Ehemann alles überstehen müsste, damit er mich heiraten konnte? Ich muss einfach an die Karte kommen, ich muss Näheres erfahren. Das war das Einzige, was sie hundertprozentig wusste, nur das ´wie´ wusste sie noch nicht. Nun war die Zeit gekommen, Stonegran in seinem Labor, dass sich in den Katakomben des Schlosses befand, einen Besuch abzustatten.                                                                                                                          Sie marschierte los durch die dunklen Gänge des Schlosses bis zu der Tür, die hinunter führte. Vor der Tür hielt sie inne.  Ich mag die Katakomben nicht. Es ist dort gruselig und riecht modrig. Alles in ihr sträubte sich dagegen diese Tür zu öffnen. Es half alles nichts, sie musste ihre Angst überwinden. Sie war noch nie alleine da runter gegangen. Sie atmete tief durch und öffnete die Tür. Der modrige Geruch schlug ihr mitten ins Gesicht. Sie schritt hindurch. Vor mir liegen nun die langen dunklen Gänge der Katakomben. Als Kind habe ich immer gedacht, dass hier die Geister der Gefangenen noch umhergehen, die im Kerker gestorben sind. Der letzte Gefangene ist lange vor meiner Geburt hier gestorben.   
Doch auch jetzt noch überkam sie die Angst. Schnellen Schrittes durchquerte sie die Gänge, ihr Herz klopfte laut. Seltsame Schatten bewegten sich im spärlichen Licht der Fackeln, die alle paar Meter an den Wänden hingen. Boden und Wände waren feucht. Immer wieder hörte sie das Klicken der Tropfen, die auf den Boden fielen. An vielen Stellen hatte sich dunkelgrüner Moos festgesetzt. Der modrig feuchte Geruch machte ihr arg zu schaffen. Durch den Gestank fiel es ihr schwer zu atmen. Ihre Schritte hallten laut durch die Gänge. Hinter ihr raschelte und fiepte es. Aus den Augenwinkeln konnte sie Bewegungen wahrnehmen. Was ist da hinter mir? Oh, bitte geh´ weg! Lass mich in ruhe! Verschwinde, komm nicht näher. flehte sie innerlich und traute sich nicht sich um zu drehen. Jeden Moment, glaubte sie, könnte eine Geisterhand sie packen und in eine der verfallenen Zellen zerren. Ihre Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt. Bei den seltsamen Tönen hier unten zuckte sie immer wieder vor Schreck zusammen.
Der Weg hier unten ist so unendlich lang. Hoffentlich komme ich unbeschadet im Labor an. Sie betete im Stillen, und lief immer schneller, sog die stinkende, stickige Luft tief in ihre Lungen ein. Angelina bekam Seitenstechen, doch sie rannte weiter, bis sie atemlos die Tür des Labors erreichte. Schnell öffnete sie diese und schlüpfte hindurch. Erschöpft und mit wild klopfendem Herzen lehnte sie an der Tür. Sie rang nach Atem. Sie brauchte etwas, bis sich ihr Herzschlag beruhigte und sie wieder normal atmen konnte. Gott-Seih-Dank, ich habe es geschafft, ich bin in Sicherheit. Stonegran las gerade in seinem Zauberbuch, ohne aufzusehen sagte er:           „Ich wusste, dass du kommen würdest. Keiner der Ritter ist rein genug, um zu ins Djanjaheeland zu gelangen. Angelina, setzt dich und höre mir gut zu!“

Angelina war verwirrt. Sie hatte sich ausgemalt, wie sie Stonegran dazu brachte, ihr die nötigen Informationen zu geben, indem sie flunkerte. Sie hatte nicht zu hoffen gewagt, dass gerade er ihr half. Sie setzte sich auf den Stuhl, der vor dem Tisch stand, auf dem sich viele Röhrchen und Gläßchen befanden, die mit verschieden farbigen Flüssigkeiten gefüllt waren. Das Feuer im Kamin brannte hell und flackerte hin und wieder auf. Überall standen Kerzen, die das Labor erhellten. Es roch hier nach einer Mischung aus Verbranntem, nach Moder und nicht zu erklärenden süßlichen und sauren Gerüchen. Kurzum: Es stinkt bestialisch! Wie kann Stonegran es in diesem Gestank stundenlang aushalten? Angelina atmete nur ganz oberflächlich durch den Mund ein und aus. Sie wollte nur soviel wie unbedingt nötig diese eklige Luft in ihre Lungen lassen.

An der rechten Wand waren braune Regale, in denen Tausende von Büchern standen. Viele Bücher sahen schon uralt und abgenutzt aus. An der linken Wand standen blaue Regale, in dem Hunderte von verstaubten Einmachgläsern standen, in denen zum Teil undefinierbare Sachen zu finden waren. Als Kind hatte sie hier oft gestöbert und Stonegran bei seinen Zaubereien beobachtet. Auf den Gläsern standen unter vielen anderen auch: Fledermausflügel, Froschaugen, Schlangenzungen, Drachenblut, Drachenzähne, Katzenzungen, Galgenwurzel, Teufelsdreck und Weihrauch.

Jetzt saß sie hier vor Stonegran und hatte ihn nie so ernst gesehen. Er gab ihr die Zeit, ihre Gedanken zu ordnen. Dann begann er zu erzählen:                                                       „Hainjai, dass Djanjaheeland, ist viele Tagesreisen von hier entfernt. Du musst bis an das südlichste Ende des Reiches Maanranty. Nicht weit der Grenze sind die Berge der Tränen. Durch diese Berge führt eine Schlucht. Die, die Schlucht der Schreie genannt wird. Du musst sie still durchqueren. Der kleinste Laut wird dort sehr verstärkt und hallt von den Wänden immer und immer wieder, bis es ein ohrenbetäubender Lärm wird, der dich verrückt machen kann, bevor du dein Gehör verlierst. Also versuche so leise wie möglich durch diese Schlucht zu gehen.“ Stonegran legte eine Pause ein. Angelina war verängstigt angesichts der Aufgabe die sie bewältigen musste, wurde ihr mulmig.
Bin ich dem denn wirklich gewachsen? Ich bin doch oft sehr tollpatschig. Ich kann nicht daran glauben, unbeschadet diese schreckliche Schlucht zu durchqueren. Muss das denn wirklich sein? Den Gestank der hier im Labor herrschte, nahm sie kaum noch war.  

„Hinter der Schlucht der Schreie kannst du rasten. Es ist ein ruhiges weites Land. Folge dem Flusslauf bis zum Tor. Du erkennst es an der Aufschrift: ´Traurigkeit ist ein See in deinem Innern. ´ Gehe hindurch, folge dem Weg bis zum See der Traurigkeit. Du darfst das Wasser des Sees nicht berühren, denn seine Traurigkeit wird dich gefangen nehmen und du wirst niemals mehr aufhören zu weinen. Die Seehexe der Traurigkeit wird dich hinab in ihr Reich entführen, aus dem es kein Entkommen gibt. Suche nach dem Schattenmann, er wird dich mit seinem Floß auf die andere Seite des Sees übersetzen. Allerdings musst du vorher ein Rätsel lösen. Schau dem Schattenmann nicht ins Gesicht, egal was er sagt oder tut. Schau zu Boden, oder du wirst zu Stein. Nehme diesen Armreifen, das ist seine Bezahlung für seine Dienste.“ Er ging zu einem Regal indem so mancherlei Krimskrams lag, holte das ein oder andere und legte es auf den Tisch.

Angelina gruselte es bei dem Gedanken an den Schattenmann. Diese Aufgabe hört sich noch schwerer an, als die Vorherige. Wie soll ich nur all diese Aufgaben bestehen? Ich glaube, wenn ich etwas frage, dann werden die Details noch gruseliger! Ich sage lieber gar nichts. Zweifelnd lauschte sie weiter Stonegrans Worten.
„Auf der anderen Seite des Sees liegt der  Gouulanwald, der Wald der 1000 Schrecken. Je weiter du in diesen Wald gehst, desto grässlicher und gefährlicher wird er. Mache dort rast und warte auf die Waldfeen. Lalahi, die Königin der Waldfeen, ist deine Patin, sie kennt dich, sie war bei deiner Geburt zugegen. Der kleine Beutel, der um deinen Hals hängt, war ein Geschenk der Feen, achte gut darauf, es ist Feenstaub darin. Er könnte dir noch von Nutzen sein.“
Oh nein, immer diese Rätsel! Muss das denn wirklich sein? Ich war nie gut im Raten, dachte Angelina verzweifelt. Habe ich mir da nicht wirklich viel zu viel zugemutet? Kann ich das denn wirklich schaffen?                                                                                                         „Stonegran, denkst du ich werde das hinbekommen?“ fragte sie zaghaft nach.
„Wenn du an dich selber glaubst, ja.“ war seine Antwort und fuhr in seinen Ausführungen fort. „Hast du das Rätsel der Waldfeen gelöst, wird sie dich zu den Wurzelzwergen bringen. Sie kennen dich auch, der König war bei deiner Geburt ebenfalls zugegen. Dieses Amulett was du trägst, war ein Geschenk der Zwerge zu deiner Geburt, es hat magische Kräfte. Moonli, der König der Wurzelzwerge ist dein Pate. Er wird dich ein Stück deines Weges durch sein Reich ziehen lassen. Aber auch er wird dir ein Rätsel aufgeben um zu prüfen, ob du reinen Herzens bist. Ratest du falsch, wirst du umkehren müssen.“ Stonegran lies diese Information erst mal im Raum stehen, und wartete auf Angelinas Reaktion.
Erschreckt sah Angelina Stonegran an. Umkehren? Ich kann nicht umkehren, ich muss es einfach schaffen! Angelina betete in Gedanken zu ihren Schutzengeln das sie ihr halfen die Lösungen der Rätsel zu finden. Ihr fiel das Gebet ein, das die Mutter ihr einst gelehrt hatte. 
           Vier Schutzengel mein, stehen mir bei in meinem Schlaf.
           Einer zum Kopfe, einer zur Linken,
           einer zur Rechten, einer zu Füßen.
           Wacht über mich bis das der Tag anbricht.
           Geht mit mir durch den Tag
           und bewahrt mich vor allen Übel.
          Gebt mir Hoffnung, Kraft und Mut.
          Helft mir in meiner Not.
         Amen. 

Dann nickte sie Stonegran zu zum Zeichen das er weiter erzählen konnte.
„Am Ende seines Reiches beginnt das Reich der Manruks. Teuflische Wesen, die im dunkelsten Teil des Gouulanwaldes hausen. Sie verbreiten Angst und Schrecken. Sie sind blutrünstige Monster, essen das Fleisch der Lebenden. Bist du in dem Wald, reite schnell, dreh dich niemals um. Egal was passiert. Firestorm wird den Weg zum See der Sterne finden. Dort sind freundliche Wesen, die dir helfen können, den Weg durch den Wasserfall zu finden. Auch sie werden dir ein Rätsel aufgeben, dass du lösen musst, um weiter zu kommen. Bist du durch den Wasserfall gekommen, findest du drei Wege. Einer davon führt dich nach Hainjai, ein anderer Weg in den Garten des Verderbends. Es ist ein Irrgarten, aus dem es kaum ein Entkommen gibt. Und der dritte Weg führt dich in der Zeit zurück. Und alles beginnt von vorn. Wähle gut.“ Um seine Worte zu verdeutlichen, zeigte er drei Finger seiner rechten Hand.
„Stonegran,“ sagte Angelina „gibt es denn keinen anderen Weg um an die Medizin zu kommen?“
Er schüttelte seinen Kopf. „Leider nein! Es gibt keine andere Möglichkeit. Ich weiß, dass du es schaffen kannst. Nimm diesen Spiegel, er wird dir von Nutzen sein. Hast du den richtigen Weg gefunden, kommst du zum Reich der Djanjahee. Die Djanjahee sind Elben, zu denen nur sehr wenige Menschen gehen dürfen. Sie sind die Beschützer der Wälder und der Tiere, die darin wohnen. Sie sprechen alle Sprachen der Tiere und der Menschen. Sie sind auch Heiler und Magier und kennen alle Heilmittel, die es auf der Welt gibt. Es ist ein Privileg, zum König der Djanjahee vorgelassen zu werden. Gehe zum König des südlichen Elbenvolkes, Banjiaik und bitte ihn um die Medizin. Auch er wird dich auf die Probe stellen. Gib ihm diesen Siegelring als Geschenk.“
Angelina betrachtete die Dinge, die auf dem Tisch lagen. Diese Sachen sollen mir also helfen an das Ziel zu kommen, Angelina verstand. Es wird das schwerste Abenteuer werden das ich jemals erleben werde. Doch ich muss mich den Gefahren stellen.
„Wie viel Zeit habe ich?“ fragte sie ruhig. „Die Zeit läuft schnell, du musst zügig vorangehen. Schaue immer nach vorne, nie zurück. Wie viel Zeit du hast weiß ich nicht, daher spuhte dich. Ich kann dir leider auch nicht mehr mit auf deinem Weg geben. Ich wünschte, ich könnte dich begleiten. Wenn du tapfer, klug und reinen Herzens bist, wirst du dein Ziel unbeschadet erreichen. Nun beeile dich, verliere keine Zeit. Ich wünsche dir viel Glück, denn das wirst du brauchen.“ Mit diesen Worten packe der alte Magier alle Geschenke und die Karte in eine dunkel blaue Tasche und übergab sie Angelina. Sie bedankte und verabschiedete sich von Stonegran.

 Mensch, das war ja einfacher als ich dachte aus ihm die ganzen Informationen raus zu bekommen. Jetzt lief sie so schnell es ging durch die Katakomben zurück hinauf ins Schloss. Auch diesmal hatte sie Angst. Doch der Rückweg schien kürzer zu sein. Im Schloss angekommen, schlich sie leise und vorsichtig in die Wäschekammer des Schlosses. Sie konnte ja schlecht in ihren Kleidern sich in das Abenteuer wagen. Mit einem festlichen roten Kleid und dem Mieder darunter war es so schon schwer zu atmen, aber damit in ein Abenteuer zu gehen? Das wäre wohl keine gute Idee. Sie brauchte Männerkleidung, denn sie durfte nicht erkannt werden und brauchte bequeme Kleidung. Es gab viele Schurken da draußen, die sie kidnappen würden, um Lösegeld von ihrem Vater zu fordern. Na ja, und sie musste unbemerkt an der Schlosswache vorbei. Ihr Vater würde sie nie und nimmer ziehen lassen. Sie entschied sich für die Kleidung eines Stallburschen. Dunkelbraune Hose, weißes Hemd, eine schwarze Weste und einen dunkelgrauen Lodenmantel. Die Sachen waren ihr alle etwas zu groß. Für die Hose nahm sie sich einen Strick, den sie um ihre Hüften wickeln konnte, um damit ihre Hose zu befestigen. Eine dunkelblaue Kappe nahm sie auch mit, um ihre Haare darunter zu verstecken. Sie packte alles zusammen und schlich zurück in ihr Gemach. Angelina zog sich die Stallburschenkleider an, steckte ihre Haare hoch, bedeckte ihren Kopf mit der Kappe und setzte sie sich an ihren Schreibtisch um einen Brief an ihren Vater zu schreiben. Sie legte Kleidung und Kopfkissen auf das Bett, bedeckte sie mit der Bettdecke, so das es aussah als würde sie darin liegen. Sie wusste, dass ihre Amme, trotzdem das Angelina schon aus dem Alter heraus war, immer noch des Nachts nach ihr sah.
                                                                                                                                      Kurz vor Mitternacht schlich sie sich vorsichtig in die Küche, um ausreichend Proviant und Wasser einzupacken. Schwer beladen schlich sie über den Schlosshof hinüber zum Pferdestall. Zum Glück schliefen die meisten Schlossbewohner, so das sie auch ohne Schwierigkeiten den Stall erreichte                                                        
Dort wurde sie schon von Lance erwartet.   Firestorm war fertig gesattelt und gezäumt. Sein schwarzes Fell glänzte im Schein der Öllampe. Auch die kleine Schimmelstute Tinka war bereit für den Ausflug. Lance packte eilig ein paar Sachen in die Satteltaschen von Tinka. Eine kleine dicke Schimmelstute, die nur eins in Sinn hatte, nämlich fressen. Sie war Angelinas Geschenk für Lance zu seinem Achtzehnten Geburtstag gewesen. Er mochte Tinka sehr gerne. Mit der Zeit waren die beiden dicke Freunde geworden.

„Was tust du da?“ fragte Angelina.                                                                                     „Ich komme mit dir! Ob es dir gefällt oder nicht. Ich lasse dich nicht alleine gehen!“ Bei den Worten baute sich Lance vor Angelina auf und stemmte seine Arme in die Hüften. Und schaute sie auffordernd an. Seine dunklen Augen funkelten und seine Lippen waren zusammen gepresst. Sie wusste, dass er mit ihrem Vorhaben nicht einverstanden war. Aber er verstand, dass sie es tun musste. Eigentlich wollte sie ihren Weg alleine gehen. Lance kannte ihre Gedanken, er wusste immer schon vorher was Angelina tun wollte. Ich will mich nicht mit ihm streiten. Ich weiß nur zu gut wie stur Lance sein kann. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann kann Nichts und Niemand ihn davon abbringen. Ja ich werde nachgeben, dachte Angelina bei sich.Lance stand abwartend vor ihr, schaute auf sie herunter. Er war einen Kopf größer als sie, braungebrannt und gut gebaut. Jetzt wo er so vor mir steht bemerke ich erst, dass sich auf seiner Oberlippe schon Flaum bildete, er wird sich bald rasieren müssen. Wie gutaussehend und erwachsen er doch schon ist. Das ist mir bisher nie aufgefallen. Seine dunklen Haare fielen ihm lockig bis auf seine breiten Schultern. Er war schon fast ein Mann. Lance wollte sie beschützen, denn er liebte sie. Sie atmete tief durch, dann sagte sie endlich:                         „In Ordnung Lance, ich weiß, ich kann dich nicht davon abhalten mich zu begleiten. Lass uns aufbrechen.“ Lance nickte, befestigte noch einen Hafersack an Tinkas Sattel. ...